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Andreas
Weiß
(Video-Filmer + Serien-Produzent )
geb.
4.1.1968 in Wolfenbüttel (Niedersachsen)
Sternzeichen:
Steinbock
Schule
bis kurz vorm Abitur, dann bewußt abgebrochen
Zivildienst,
keine Berufsausbildung
1983-1986
erstes
Filmprojekt, (auf Super-8
gedreht)
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(Foto vom September 2008, Fotograf: Frank Sandmann)
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(Foto aus dem Jahr 2001,
Fotograf: Robert Miehle )
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1986-1988
Erste
Versuche als Autor von Gedichten, Kurzgeschichten, Serien-Drehbüchern,
Mitarbeit
im Verein "Charlie&Co", der in der Kleinstadt Wolfenbüttel
das "etwas andere Kino" präsentierte
1988
Coming-Out,
während dieser Zeit entsteht das in Versform gehaltene Drama
DEMASKIERUNG
um das Coming-Out eines schwulen Märchenprinzen
1988-89
erste
Videofilme mit schwulen Themen
1990
Gründung
des Vereines KOMMUNIKULTUR e.V
in Braunschweig
(Ein
weiteres Gründungsmitglied des Vereins ist übrigens Michael Kluckas, der
später in mehreren Serien-Produktionen mitwirkt, u.a. als Hausmeister
im Kulturbüro Traumtänzer.)
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1990
Umzug
nach Berlin,
Gründung
und Leitung der Theatergruppe DEMASKIERUNG
( Einige Mitwirkende der Gruppe erscheinen später auch in den
Video-Produktionen von A.W., u.a. Angela Rosin-Hilley,
Andrea Pape, Andrea Paulus-Wellmann
und Michel )
seit 1991
Realisation zahlreicher Video- bzw. Fernseh-Produktionen (s.u.).
Tätigkeiten als Kameramann&Co-Regisseur
beim Schauspielworkshop "8*12" von Sonya Martin ,
sowie Realisation kleinerer Auftragsarbeiten
wie z.B. Imagefilme und Bewerbungsvideos.
Darüber hinaus Organisation zahlreicher
Kultur-Veranstaltungen für den Verein Kommunikultur e.V., z.B. das
FILMCHENFEST PRENZL.BERG, ein Amateurfilmfestival (Februar/März 2007)
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(Foto aus dem Jahr 2001,
Fotograf: Robert Miehle)
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2009
Am
2.Januar 2009 errichtete Andreas Weiß die
"Stiftung SCHWULFERNSEHEN". Nahezu alle von ihm in 25 Jahren
(von 1983 bis 2008) geschaffenen Film- und Videoproduktionen gingen an
diesem Tag in das Eigentum dieser Treuhand-Stiftung über, die in Zukunft für die
Pflege und den Erhalt sowie die Veröffentlichung der Werke sorgt.
DIE
PRODUKTIONEN
VON ANDREAS WEIß IM ÜBERBLICK
(Wenn
nicht anders angegeben sind, hat Andreas Weiß bei seinen Produktionen alle Tätigkeiten
(außer der Mitwirkung als Schauspieler/Darsteller) selber übernommen ,d.h.
Entwicklung von Idee und Konzept, Drehbuch, Casting,
Produktion, Kamera,
Regie, Schnitt, Öffentlichkeitsarbeit etc.
Andreas Weiß hat auch - vor allem für die Serien TraumTänzer und
MontagsKinder -
einige Szenenfotos gemacht.)
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1983-1986
: „WOLFENBÜTTEL“
Serien-Parodie , nicht als Video, sondern auf Super-8-Material
gedreht
(mit Familienmitgliedern und Freunden in den Hauptrollen)
1988-1989
: HENRYS ZIMMER und DER ACHTUNDZWANZIGSTE HERBST
2 Videospielfilme à 60 min , mit schwulem Inhalt
1989
: MONTAGSKINDER (Urfassung der Serie)
(es entstand nur eine auf VHS gedrehte 30-minütige Pilotfolge,
danach wurden die Dreharbeiten nicht mehr fortgesetzt.
Die 1995 entstandene Serie hatte dann mit dieser
Urfolge außer dem Titel nicht mehr viel gemeinsam. )
1991 -
1993 : LICHT
UND SCHATTEN
(61 Folgen à 30 min)
Die 1.schwul-lesbische Drama-Serie Deutschlands
1994
: TRAUMTÄNZER
-DAS KULTURBÜRO
(27 Folgen à 30 min)
1994 :
PERMANENT MAKE UP
Imagevideo für Friseurin Wittke, 10
min
(hier: Kamera, Regie, Schnitt) (Auftragsarbeit)
1994/1995
: HOLA BERLIN
(6 Ausgaben à 45 min) Spanisch-sprachiges
Kultur-Magazin
(hier: Kamera, Regie, Schnitt) (Moderatorin:
Leonora Düker (Gastrolle in TraumTänzer))
Februar
1995 – Januar 1996 : MONTAGSKINDER
(55 Folgen à 25 min)
Juni 1995
: HANDWERKER
pornographischer Kurzfilm, 10 min
(Darsteller: Hanno Ehrler (Fotograf
und Gastrolle in MontagsKinder))
Juli
1995 : IRIS MILEWSKI
Bewerbungsvideo, 5 min
(hier: Kamera, Regie, Schnitt) (Auftragsarbeit)
März –
Juli 1996 : DAVID - Das schwule
Fernsehmagazin
(6 Ausgaben à 25 min)
Dezember
1996 – Mai 1997 : MONTAGSGESCHICHTEN
(30 Folgen à 30 min)
(Am Drehbuch einiger Episoden haben Darsteller mitgewirkt, u.a. Rainer
Hillebrecht)
November
1997 :
MATERIAL FÜR DEN BEITRAG „HOMOSEXUELLER MONTAG IM FILMRISS
FRIEDRICHSHAIN“
Kurzfilm, 10 min (Hauptrolle: Yvonne Haß, in einer Gastrolle: Moni Luzi
Beyer )
Januar
– April 1998 : VON MANN ZU MANN
(12 Folgen à 30 min) Erste schwule
Erotik-Serie im deutschen TV
Februar
1999 : DIE
MONTAGSPRODUKTIONEN
Dokumentation über die Serien
MK und MG (Länge: 5 Stunden)
Dezember
1999 – März 2000 : BERLIN BOHÈME
(1.Staffel mit 11 Folgen à 24 min)
( Am Drehbuch zu 3 Episoden hat Rainer Hillebrecht mitgewirkt)
Juni -
August 2001 : VIDEOPROJEKT X
Dokumentar-Pornographisches Video
(auf DVD als "Männer 2" erschienen)
September
2002 – Februar 2003 : BERLIN BOHÈME
(2.Staffel mit 21 Folgen à 24 min)
( Am Drehbuch hat Marcus Lachmann mitgewirkt,
für den Schnitt war hauptsächlich Christian Vögeli verantwortlich)
April
2004 : BERLIN BOHÈME
(3.Staffel mit 5 Folgen à 24 min)
( Zahlreiche Drehbuchautoren und Regisseure haben
mitgewirkt.)
März
2005 : 8 MAL 12 BERLIN
(Camera-Acting-Workshop für 8
SchauspielerInnen)
(hier: Kamera,
Schnitt, Co-Regie) (Leitung und Regie: Sonya Martin)
April
2005 : MÄNNER - BEIM SEX BEOBACHTET
Dokumentar-Pornographisches Video
August
- November 2005 : BERLIN BOHÈME
(4.Staffel mit 16 Folgen à 24 min)
( Zahlreiche Drehbuchautoren und Regisseure haben
mitgewirkt.)
März
2007 : DER WAHNSINN UND SEIN EGO
(Kurzfilm mit Alexander Baier und Timo Lewandovsky)
(hier:
Kamera & Schnitt) (Regie: Michael Ritz)
August/September
2007 : SCHAUSPIELERVIDEOS
Demo-Erstellung für mehrere SchauspielerInnen, u.a. Lisa Wenzel und Natalie Korobenik
(Auftragsarbeiten)
Oktober/November
2007: MÄNNER - BEIM SEX BEOBACHTET
Dokumentar-Pornographisches Video (weitere Produktion der Reihe)
Mai -
Dezember 2008 : SONNTAGSMÄNNER
(Erotiksoap mit 20 Folgen à 30 min)
( Zahlreiche Drehbuchautoren haben
mitgewirkt.)

Foto: R.O.B.
"Andreas Weiß bei
Dreharbeiten zu VON MANN ZU MANN (1998)" |
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Über
sich selbst sagt Andreas Weiß:
"Ich
bin ein typischer Steinbock: stur, zäh, ausdauernd und widerstandsfähig; ich stürze lieber vom steilen Felsen in den Abgrund, als einen Schritt zurückzuweichen.
Auch meine manchmal krassen Ansichten - Ablehnung von Konsum und Luxus, alles muß einfach, praktisch und realitätsnah sein, haben sicher was mit
meinem Sternzeichen zu tun!
Eine
meiner Hauptantriebsmotivationen ist wohl Trotz, ein "Jetzt erst
recht!"-Gefühl, weshalb ich Rückschläge und Mißerfolge
ganz gut wegstecken kann und dann gerade weitermache!"
Und
über seine Serien-Produktionen:
„Meine Serien sind die
ersten schwulen Soaps in Deutschland! Sie
unterscheiden sich insofern von herkömmlichen Soaps, daß es nicht nur ein oder
zwei Alibi-Klischee-Homos gibt, sondern die unterschiedlichsten schwulen
Charaktere, mit einer ganzen
Bandbreite mehr oder weniger alltäglicher Thematiken. Gerade
diese Spezialisierung auf die "Randgruppen-Thematik" Schwule ist für
viele der (ohne Gage arbeitenden!) Darsteller auch die wesentliche Motivation für
die Mitwirkung: Die Möglichkeit, ein Spiegelbild der schwulen Lebensweisen zu
schaffen, wie sie gerade in Großstädten wie Berlin gelebt werden, aber in den
großen "professionellen" Unterhaltungsserien kaum Erwähnung finden, und
wenn doch, dann nur auf "auch dabei" reduziert. Viele
Fans und Zuschauer haben auch durch ihren überwiegend positiven Zuspruch zu den
Produktionen deutlich gemacht, wie sehr der Wunsch nach Identifikationsmöglichkeiten
mit schwulen TV-Figuren vorhanden ist: So erreichen mich immer wieder Anrufe von
jungen Schwulen (die gerade vor oder während des Coming-Outs sind) und über
das (anonyme Massenmedium) TV erstmals mit der schwulen Welt in Berührung
kommen. Diese Zuschauer können sich in den Protagonisten meiner Produktionen
wiedererkennen, sehen eigene Sehnsüchte und Probleme im TV aufgegriffen und
kommen letztendlich zu der Erkenntnis : Ich bin nicht der einzige Schwule auf
der Welt!“

Dreharbeiten zu BERLIN BOHÈME Staffel 2 (2002)
(Foto: Michael Rost)
Presseveröffentlichungen
über Andreas Weiß:
BOX
Nr.129 (Ausgabe Nord-Ost), Februar 2004
(Das in der BOX
veröffentlichte,zweiseitige Interview mit Andreas Weiß liegt im PDF-Format
vor
und kann mit dem Acrobat-Reader geöffnet werden!)
Interview
mit Andreas Weiß Teil 1 (PDF-Format)
Interview
mit Andreas Weiß Teil 2 (PDF-Format)
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FAZ (Berlin-Seiten)
29.September 2001 Autorin: Stefanie Flamm
Die
Perspektive ändern - Andreas Weiß, Seifenopernlibrettist
Als
Jugendlicher war ich fernsehsüchtig. Ich habe alles geguckt, Dallas, Denver
Clan, Falcon Crest, die ganzen Seifenopern, fünfzehn Stunden am Tag. Das war während
meines Coming-outs. Ich lebte damals noch in Wolfenbüttel und habe gemerkt, daß
ich als Schwuler in einer Kleinstadt nicht frei sein kann. Jahrelang habe ich
mein eigenes Leben deshalb einfach ausgeblendet und mich mit Serienfiguren
identifiziert. Daß ich nach dem Mauerfall nach Berlin gehen würde, war für
mich einfach klar. Ich dachte, jetzt ist die Stadt noch größer, da gibt es ein
ungeheures Potential an Möglichkeiten. In Berlin habe ich dann beschlossen,
mich nur noch mit Dingen zu beschäftigen, die mir wirklich Spaß machen. Zuerst
habe ich eine Theatergruppe gegründet und versucht, ein eigenes Stück auf die
Beine zu stellen. Darin ging es um das Coming-out eines schwulen Prinzen. Die
Schauspieler hatte ich mir zusammengesucht, über Aushänge und Kleinanzeigen.
Leider gab es unter den Mitwirkenden aber eine ständige Fluktuation, wir mußten
ständig die Rollen neu besetzen. Nach einem Jahr habe ich dann begriffen, daß
es zu schwierig ist, mit einer Laiengruppe kontinuierlich an einer Sache zu
arbeiten.
Seit
zehn Jahren produziere ich Seifenopern , was verschiedene Gründe hat. Zum einen
gab es in Berlin damals schon den offenen Kanal. Zum anderen war mir schnell
klar, daß ich ohne mich von jemandem abhängig zu machen auf dem Kurz- oder
Spielfilmsektor nicht konkurrenzfähig sein kann. Deshalb habe ich mich für das
Genre Soap entschlossen, da geht es um Masse statt Klasse. Seifenoper ist ja:
Zwei Leute sitzen auf dem Sofa und sprechen einen Text. Da braucht man keine
Tricks. Da lernt man aus den Fehlern der letzten Episode. Außerdem war ich ja
selber Serienfan und habe mich ja immer über das Homo-Bild, das dort verbreitet
wird, geärgert. Mein Anliegen ist es, nicht nur die gutverdienenden Yuppy-Homos
zu zeigen, die zwar schwul oder lesbisch sind, aber ihren gutbürgerlichen Job
haben und anerkannter Teil der Gesellschaft sind. Gerade hier in Berlin, da sehe
ich, daß es Leute gibt, die sich mit Jobs durchschlagen, die arbeitslos sind,
von Sozialhilfe leben. Da sind natürlich auch viele Schwule und Lesben dabei.
Meine
erste große Produktion "Licht und Schatten" hatte noch gar kein
Drehbuch. Die Leute haben einfach nach einer groben Vorgabe frei improvisiert.
Das war 1991. Es ging um Menschen, die in einem Haus zusammen wohnen, ganz ähnlich
wie bei "Lindenstraße". Gedreht haben wir immer in den Wohnungen der
Mitwirkenden. Das, was die von sich aus mitbrachten, ihre Wohnungen, ihren
Kleidungsstil, wurde in die Produktion integriert. Die Leute spielen in meiner
Arbeit immer ein Stück weit sich selbst. Ich suche mir Menschen, mit denen ich
arbeiten will, und schreibe denen Rollen auf den Leib. Das macht das ganze
realistischer. Daß jemand sich in dieser Rolle nicht wohl fühlt, kommt nur
ganz selten vor. Einmal hat sich jemand geweigert, einen Mörder zu spielen.
Seiner Meinung paßte das nicht in eine schwule Sendung, die für Toleranz und
Akzeptanz werben sollte.
Natürlich
habe ich immer erotische Elemente in den Beiträgen. Sie bieten dem
"normalen" Zuschauer einen Anlaß, dranzubleiben. Das kann man mir natürlich
zum Vorwurf machen. Aber ich habe auch viele andere Elemente. In "Berlin
Bohème", die wir letztes Jahr produziert haben, ist die tragende Figur
eine Tunte, die aber eben nicht die übliche Bühnentrine ist, die sich abends
in einen Fummel schmeißt, sondern ganz normal im Alltag ein Kleid trägt, sich
schminkt und auch dazu steht. Diese Tunte wird in einer Episode von Faschos
zusammengeschlagen. Aber es war mir wichtig, daß wir nicht in die Klischees vom
Schwulen als Opfer verfallen. Bei mir versucht sie, oder er, sich zu rächen. Da
habe ich auch von vielen Schwulen Kritik bekommen. Wir würden so etwas nicht
machen! Aber das ist Unfug. Es gibt auch solche. In
"Montagsgeschichten" gibt es einen Schwulen, der ein Alkoholproblem
hat und mit seinem Freund eine Kampf- und Krampfbeziehung lebt. Ich versuche
Figuren in Beziehungsformen zu zeigen, die zumindest im Fernsehen nicht üblich
sind.
Meine
Sachen laufen inzwischen in vielen offenen Kanälen, in Berlin wieder ab dem
1.November. Besonders von Leuten, die gerade im Coming-out sind, bekomme ich
viele Reaktionen. Für die bin ich oft der erste Kontakt zu einem anderen
homosexuellen Menschen. Aber eigentlich bin ich kein geschulter
Coming-out-Berater. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt durch den Verkauf dieser
Serien auf Video. So komme ich auf ein Einkommen, das etwas über dem
Sozialhilfesatz liegt. Normalerweise kann ich davon gut leben. Aber jetzt muß
ich für eine Digitalkamera sparen. Bisher habe ich alles auf Super-VHS gedreht,
und das ist nun wirklich rettungslos veraltet.
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Transcript
eines Interviews mit Andreas Weiß:
(Für
seine Diplomarbeit führte Adrian Ortner, Darsteller in Berlin Bohème Staffel 1,
folgendes Interview:)
Interview
Andreas Weiß. Berlin, 23.2.2001
Erzähl
einmal wann du angefangen hast Fernsehserien zu machen? Was war die Idee hinter
deinen Fernsehserien? Warum hast du angefangen Fernsehserien zu machen und wieso
bezeichnest du diese Fernsehserien als schwul -lesbische Fernsehserien...
Gab es zwei Hauptgründe: Der eine Grund war, ich kam nach Berlin 1990 und habe
mit ein paar Laienschauspielern eine Theatergruppe gegründet und wir haben fast
ein Jahr lang an diesem Stück geprobt, das dann letztlich nie aufgeführt
wurde, weil ständig irgendwie nach zwei drei Monaten wie das bei
Laienschauspielern so ist, die dann plötzlich keine Lust mehr hatten und dann
mussten die Rollen neu besetzt werden und dann musste man mit den Proben quasi
von vorne anfangen. Aus dieser Erfahrung haben dann so die Reste dieser Gruppe,
die dann nach einem Jahr noch übrig war, das frustriert hingeschmissen und
haben gesagt wir müssen einfach irgendwas machen, wo man am Ende des Monats ein
Ergebnis hat auf dem man aufbauen kann... und da hat sich einfach das Genre
Serie wunderbar angeboten. Weil ich hatte auch schon vorher, bevor ich nach
Berlin kam, ein paar kleine Sachen mit Super 8 und auch dann auf Video gemacht
und hatte da auch schon ein bisschen was ausprobiert und dachte: OK, dann kann
ich auch drehen, es muss nicht auf der Bühne sein es kann auch Video sein.
Und der zweite Grund eigentlich, was dann danach kam: Serie ja, aber eben ganz
stark schwule und lesbische Themen zu nehmen, weil es mich einfach gestört hat,
wie Anfang der Neunziger, abgesehen von den doofen Ami-Soaps, also Steven aus
Denver, gab es ja kaum schwule Figuren in deutschen Serien oder überhaupt in
Serien. Da habe ich also gesagt, wenn dann müssen Schwule rein in diese Serie
und die müssen vor allen Dingen auch so dargestellt werden, dass sie nicht
diesen üblichen Tucki-Tucki Klischees entsprechen, sondern wirklich so sind wie
sie sind. Das waren so die Gründe wieso ich überhaupt angefangen habe Serien
und vor allen Dingen auch schwule und lesbische Themen in Serien zu machen.
Dann habe ich die erste Serie gemacht und die hatte in dem Sinne noch kein
Dialogskript, sondern nur eine grobe Handlung und dann wurde quasi vorort
improvisiert.
Das war Licht und Schatten?
Licht und Schatten, ja. Das war ziemlicher Trash, aber hat großen Spaß gemacht
und wir haben sehr, sehr viel ausprobieren können. Ich selber hab auch ganz
viele Sachen ausprobiert, weil ich ja vorher zwar praktisch keine Sachen gemacht
habe, aber eigentlich diese Erfahrung um mich hatte. Also, das sehe ich
sozusagen als meine Lehrzeit diese zwei Jahre, wo ich mir Sachen selber
beigebracht hatte: Wie gehe ich mit einer Kamera um? Welche Einstellungen kann
man machen? Und, und, und. Ja so technische Details mitzukriegen, mitzukriegen,
dass wenn man eine Außenaufnahme dreht und es ist windig, dann hat man halt ein
Rauschen im Ton und einfach so Kram rauszufinden, was mir vorher nicht bewusst
war. Einfach so learning by doing und das ist dann immer so geblieben, dass ich
mit jeder Folge, mit jeder Szene, die ich gemacht habe. Habe ich was neues
dazugelernt und habe dann die Erfahrungen verwendet um die neuen Dreharbeiten
besser zu machen. Dann nach zwei Jahren und 61 Folgen hatte ich auf diese Art
einfach keine Lust mehr... also so ohne Drehbuch so drauf los zu improvisieren.
Das hatte sich also sehr totgelaufen und es waren auch viele gute Leute
ausgeschieden und es war irgendwie dann so ein Restpotenzial zwar noch da aber
dann kamen neue Leute dazu und die hatten dann nach fünf Folgen schon wieder
keine Lust mehr und es war einfach alles ziemlich doof. Dann habe ich bei Licht
und Schatten einfach einen Schlussstrich gezogen und dann war nach der 61 Folge
Schluss. Ohne Abschluss, es gab nur einfach einen Bruch und das war die letzte
Folge.
Ich habe mich dann hingesetzt und ein Drehbuch, ein richtiges Dialogdrehbuch
geschrieben und das war dann Traumtänzer. Ich habe mir dann auch eine andere
Kamera zugelegt, ich habe vorher mit VHS gearbeitet und bin dann auf Super VHS
umgestiegen. Was damals ja auch wirklich eine gute Qualität war 94. Wo an
digital noch gar nicht zu denken war und habe dann eben Traumtänzer gedreht.
Das war am Anfang ein bisschen holprig, weil ich zum Teil wieder mit den Leuten
gearbeitet hatte die vorher das Improvisieren gewöhnt waren und jetzt irgendwie
Schwierigkeiten hatten mit einem Dialogskript, aber das hat sich dann
eingespielt. Dann habe ich ein Jahr lang Traumtänzer gemacht. Da wechselte die
Besetzung so teilweise aus. Ich hatte dann aber am Ende von Traumtänzer 94 ein
relativ gutes Team zusammen und dieses Team von so etwa zehn Leuten habe ich
dann auch geschlossen in die Montagskinder übernommen. Die wesentlichen
Montagskinder, also die die wesentlichen Rollen spielen, die waren auch schon
bei den letzten Folgen von Traumtänzer dabei. Teilweise auch in sehr ähnlichen
Konstellationen. Die Lori Anderson, also Candy Candle, die hat in Montagskinder
den Jason als Bruder und den Ted als Ex-Ehemann und bei Traumtänzer war das
genau umgekehrt: da war der Darsteller des Ted ihr böser Bruder und der
Darsteller des Jason war in TT ihr Ex-Freund. Maya und Lisa waren in TT auch
schon ein lesbisches Paar, und Pawel und Erik waren da auch schon ein schwules
Paar. Das waren so Konstellationen, die sich schon dreißig Folgen eingespielt
hatten. Das machte dann diesen Qualitätssprung dann bei den MK aus. Das also
die ersten Folgen der MK relativ gut schon sind, weil die Leute eben zwei, drei,
vier Monate zusammen gespielt hatten, zwar in anderen Rollen aber
bei ähnlichen Konstellationen. Deswegen war MK von der ersten Folge an
besser als alles was ich vorher gemacht hatte. Weil dieses Team da war, das Team
stimmte. Das hat die MK auch das erste halbe Jahr, also 28 Folgen auch wirklich
getragen, bis dann nach der 28. Folge Candy Candle ausstieg... da kam dann so
ein Bruch, da stiegen vier fünf Leute aus und es kamen ein paar neue dazu, das
war ein ziemlicher Bruch und das änderte auch den ganzen Charakter der MK.
Diese trashigen Themen und diese abgehalfterte Diva waren jetzt weg und es ging
zu realistischen Themen über, also diese ehemalige Theatergruppe, die dann auf
die Idee kommt, sie könnte ja eine schwule Zeitung machen und dann wird das
alles realistischer. Manche sagen dann, dass das auch langweiliger wäre. Das
ist Ansichtssache: ich denke die zweite Staffel hat genauso ihre Qualitäten wie
die erste. Sie hat halt von der Umsetzung her einen anderen Charakter.
Dann kamen die Montagsgeschichten und dann Berlin Boheme und dazwischen kam ja
noch Von Mann zu Mann.
Nach MK habe ich dann versucht ein schwules Magazin zu machen. Das haben wir
auch dann sechs Folgen lang durchgezogen, kam aber nicht an. Die ersten zwei
Folgen, nachdem sie im OKB gezeigt wurden, hat dann die schwule Presse, bzw. gar
nicht mal die schwule Presse, sondern nur die Siegessäule, hat also
vernichtende Kritiken geschrieben, wie immer bei meinen Produktionen. Durch
diese vernichtenden Kritiken sind die Leute, die da mitgewirkt haben, also
redaktionell oder journalistisch oder als Moderatoren oder was auch immer haben
ihre Motivation verloren. Dazu kam noch, dass ich für dieses Magazin ein ganz
klares Konzept hatte, also ich wollte nicht irgend so ein Haiti Taiti Party
Magazin machen, sondern es sollte immer schwerpunktmäßig sein "Schwul
und...". Es gab also das Thema "Schwul und behindert",
"Schwul und Ausländer", "Schwul und Aids". Also, so quasi
doppelte Diskriminierung, so in diese Richtung. So eine Untergruppe im Rahmen
der Schwulen und damit kamen viele teilweise überhaupt nicht mit zurecht, weil
das waren dann Themen mit denen die Leute sich überhaupt nicht
auseinandergesetzt hatten oder wo sie teilweise Vorurteile hatten, so das ich
dachte: "Mein Gott, mit was für Leuten arbeite ich hier zusammen."
Wie hieß das Magazin?
David. Am Anfang gab es ein Team von 12 Leuten. Die sechste Folge hatten wir
irgendwie nur noch zu dritt produziert, weil irgendwie alle anderen abgesprungen
waren und dann haben wir gesagt OK, jetzt ist Schluss mehr als sechs Folgen
machen wir nicht.
Dann habe ich gesagt, Schuster bleib bei deinen Leisten, knüpf da an wo ich
erfolgreich war, mach ich eine neue Soap. Habe eben bewusst den Titel gewählt,
Montagsgeschichten, um einfach dieses Wort Montag im Titel zu haben, um einmal
anzuknüpfen obwohl es eine völlig neue Story war und gar nichts mehr mit MK zu
tun hatte um einfach irgendwie an das Thema anzuknüpfen, an den Markennamen MK
anzuknüpfen und natürlich auch bewusst, was ja heute immer wieder passiert,
diese Verwechslung zu provozieren, dass die Leute einfach die beiden Serien
durcheinander schmeißen. Von irgendeinem reden und dann eigentlich wen aus der
anderen Serie meinen, das passiert immer wieder und dadurch ist es im Gespräch,
das ist schon bewusst so gemacht. Der wesentliche Unterschied zwischen MK und MG
ist eigentlich, dass MK noch sehr gemischt war. Da waren sehr, sehr viele Frauen
dabei und es gab ja auch das lesbische Paar und es gab ja auch ein, zwei
heterosexuelle Männer oder Rollen. Bei MG war es dann so, dass bis auf zwei
Frauen und einige Gastdarstellerinnen, eigentlich nur schwule Männer als
Hauptfiguren da waren. Das war der Unterschied, dass man 12, 13 schwule Männer
hatte, die da im Mittelpunkt stehen, die alle unterschiedlich waren und wo ich
so auch zeigen konnte schwul heißt nicht so ein bestimmtes Klischee zu erfüllen,
sondern hat ganz unterschiedliche Charaktere. Das fängt also an bei dem Klemmer
über den Spießer über die Tunte bis hin zu dem irgendwie Proleten mit
teilweise sehr rechten Tendenzen und die sind alle schwul. Aber ansonsten ist
das ein Querschnitt der Gesellschaft, wie du ihn überall findest. Das war mir
irgendwie ein Anliegen, das zu machen. Dass du dann da nicht so drei, vier
bestimmte Stereotypen hast, die dann die schwule Richtung verkörpern sondern,
dass du wirklich aus jedem Bevölkerungsgrad oder jedem Bildungsgrad Leute hast
die dann eben schwul sind, aber das ist auch das einzige was sie gemeinsam
haben. Das war sehr spannend, das hat großen Spaß gemacht. Da hat sich also
auch wieder ganz schnell herauskristallisiert... ich hatte die Serie auf Dauer
angelegt und wollte auch mehr Folgen machen, aber nach 25 Folgen hatte sich
herauskristallisiert, dass wesentliche Leute nach fünf Monaten Drehzeit die
Lust verlieren. Dann habe ich gesagt nach dreißig Folgen da machen wir den
Bruch und machen nicht wie geplant 50 Folgen... das war dann auch OK. Das war
dann erstaunlicherweise die Serie die auf Video am besten vertrieben wurde, weil
es eben diese rein schwule Produktion war. Während die bekannteste ist immer
noch die MK, obwohl sie mir finanziell nicht so viel gebracht hat.
Dann habe ich eine Pause von ein paar Monaten gemacht und dann im Dezember 98,
ich mache meine Produktionen irgendwie immer im Winter... bin also ein
Winterkind. Da kann ich am besten arbeiten. Dann habe ich 98 diese Erotikserie
gemacht Von Mann zu Mann, die war eigentlich auch länger konzipiert. Die war
eben so konzipiert, dass man ein bisschen weiter geht, dass man eben wagt
schwule Erotik im Fernsehen eben so in der Art wie das in diesen billigen
Erotikfilmen ja Gang und Gäbe ist, dass du da irgendwie die halbe Handlung hast
und der Rest sind irgendwelche Erotikszenen gefilmt. So krass wollte ich das natürlich
nicht machen, ich habe schon irgendwie geguckt, dass ich in einer dreißigminütigen
Folge zwei Clips a drei Minuten habe, dass ein Fünftel der Handlung Erotik ist.
Aber dennoch gab es in dieser Erotikserie immer wieder Aufregung, auch gerade
mit den Mitwirkenden, die dann teilweise doch nicht so weit gehen wollten oder
dann plötzlich Probleme hatten sich auszuziehen, obwohl das bei dem Casting und
vorher alles ganz klar war. Einige gute Leute sind dann auch weggezogen und
einer hatte dann einen neuen Job und hatte keine Zeit mehr. Dann habe ich also
nur 12 Folgen gedreht, obwohl es viel länger geplant war. Hat mir auch großen
Spaß gemacht, aber ich weiß, dass wenn ich es wieder machen würde, dann würde
ich es nur mit Leuten machen, wo ich ganz klar und eindeutig weiß sie haben
kein Problem damit eine Erotikszene zu spielen, weil das war im Endeffekt der
Knackpunkt, dass ich zwar in den letzten Folgen einen Rattenschwanz an
Mitwirkenden hatte, aber dass ein Großteil von diesen Mitwirkenden sich nicht
ausziehen wollte. Das hieß ich musste die Erotikszenen doch wieder auf drei
oder vier Leute beschränken. Das war dann irgendwann langweilig, das fand ich
auch schade, weil man hätte mehr daraus machen können. Es gab auch
Erotikszenen, wo es wirklich zwischen den Leuten geknistert hat, wenn ich da
nicht gesessen hätte mit meiner Kamera, dann weiß ich nicht, was da passiert wäre.
Genauso gut gab es auch Erotikszenen, wo sich die Leute auf den Tod nicht leiden
konnten und irgendwie so diese Szene da krampfig machten und ich dann irgendwie
mit Schnitt und Nachvertonung und Musik da rausholen musste was ich rausholen
konnte. Erstaunlicherweise gerade bei einer Szene, wo sich die Typen überhaupt
nicht abkonnten ist diese Erotikszene besonders gut geworden.
Welche Szene war das?
Die in der dritten Folge mit dem Axl und dem... wie hieß denn der andere? Die
beiden konnten sich überhaupt nicht ab, aber na gut den Axl konnte ja niemand
leiden, das war also ganz schlimm. Die Szene ist wirklich nicht schlecht
geworden, gerade mit diesem leichtroten Ton und dieser Musik. Vor dieser
Spiegelwand diese Gegenschnitte, das wirkte sehr gut, das merkst du der Szene
nicht an, dass die sich überhaupt nicht leiden können.
99 habe ich Pause gemacht und nur im Februar die Dokumentation gemacht, wo ich
also ziemlich viele Leute von den MK und auch von den MG nachträglich vor die
Kamera geholt habe zu einem Interview.
Was war das für eine Dokumentation?
Da habe ich die Leute im Nachhinein von ihren Erfahrungen berichten lassen.
Warum sie mitgewirkt haben, wie die Dreharbeiten für sie waren, was für
Erinnerungen sie hatten, was ihnen Spaß gemacht hat, was ihnen das gebracht
hat. Solche Fragen haben sie beantwortet, wo ich mich auch bewusst mit
Kommentaren zurückgehalten habe. Das kam mir dann wieder zugute, das hat mir
dann wieder gezeigt: Dieses gute Team von MK. Fast alle aus diesem guten Team
waren dann auch bei der Dokumentation dabei. Während bei den MG, hatte ich von
den wesentlichen Hauptfiguren, die sich im Nachhinein distanziert haben und die
eben nicht bereit waren zu einem Interview zu erscheinen. Das heißt ich hatte
in dieser Dokumentation, vor allem bezogen auf die MG, in erster Linie die
kleineren Hauptrollen bzw. die Nebenrollen, während von den MK die wesentlichen
dabei sind. Candy, Pawel, Lisa, Erik, die sind alle dabei. Aber bei MG Fehlen
einfach die wesentlichen Darsteller. Die wollten einfach kein Interview geben.
Ich habe mehrmals gefragt: aber entweder es wurde herumgedruckst oder es hat
sich keiner zurückgemeldet oder haben mir knallhart gesagt: Nein damit will ich
nichts mehr zu tun haben. Also, einige Leute hatten auch im Nachhinein ein
Problem damit. In einem Fall gab es eine Erotikszene, die beim Drehen sehr schön
war und auch bei der Premiere bei den Mitwirkenden sehr gut ankam, aber dann hat
dieser Mensch dummerweise seinem sehr eifersüchtigen Freund diese Szene gezeigt
und hatte von da an die Hölle auf Erden, so nach dem Motto: Wie kannst du so
was machen und blah. Nachdem die Folge fertig war kam er an und fragte mich ob
ich diese Szene nicht rausschneiden könne. Da habe ich gesagt: Tut mir leid,
das geht nicht. Ich kann nicht aus meinem fertigen Sendeband plötzlich eine
Szene rausschneiden, dann wäre eine Lücke drin. Das war nicht möglich
aufgrund meiner Schnitttechnik. Ich hätte natürlich für die Sendeausstrahlung
aus dem Band was rausnehmen können. Aber das wollte ich nicht machen, ich fand
die Szene sehr schön. Das war diese eine Dreierszene aus den MG. Die anderen
Beiden, die da mitgespielt haben, fanden die auch schön und hatten keine
Probleme damit und warum sollte ich dann nur weil der eifersüchtige Freund von
einem der Mitwirkenden da ein Problem hat und deswegen da die Szene rauszunehmen
und deswegen war dann dieser Darsteller irgendwie sauer und hat mir dann
deswegen dieses Interview dann verweigert. Das fand ich dann sehr schade. Das
war die Dokumentation, dann habe ich wieder Pause gemacht. Dann war wieder
Winter. November oder Dezember... wieder Steinbockzeit. Da habe ich dann Berlin
Boheme gedreht. Das war dann das besondere als Unterschied zu meinen bisherigen
Produktionen. Ich versuche ja immer Sachen zu machen, die ich in diesem Sinne
nicht gemacht habe, dass eben alles in einem Raum spielt und in Echtzeit spielt.
Es gibt keine Zeitsprünge, keine Ortswechsel, so das man das Drehbuch nehmen könnte
und das als Theaterstück aufführen könnte. Das war eben das besondere bei
Berlin Boheme, dass man sehr eingeschränkt war dadurch, dass man nur einen Raum
hatte, was aber dem Ganzen eine bestimmte Qualität gab, von Kammerspiel, was es
im deutschen Fernsehen kaum mehr gibt. Die fand ich immer, wenn sie gut gemacht
waren sehr interessant. Weil man alles auf einen Raum beschränkt und die ganze
Handlung in den Raum getragen werden muss. An sich die Mittel des klassischen
Dramas, dass die Außenwelt durch Boten hereingetragen wird. Das jemand
hereinkommt und etwas erzählt. Telephon klingelt ja sehr selten in der Serie.
Die Serie war von vornherein aufgrund meiner Erfahrungen auf kurzen Zeitraum
angelegt. Statt der geplanten 12 sind es dann 11 Folgen geworden, aber ich denke
das war dann auch OK. Da war eben auch die Herausforderung, dass wir eben
relativ chronologisch bis auf wenige Ausnahmen gedreht haben. Das also die
Darsteller die ganze Handlung in der richtigen Reihenfolge nachspielen. Das gibt
sehr viel für die Darstellungsweise, wenn man das irgendwie chronologisch
abdreht. Das bringt eher was, als wenn man kreuz und quer dreht und hinterher
wird es irgendwie zusammengestückelt, dann hat man diese Emotion in Erinnerung.
Dann denkt man in dieser Szene war ich so und so und das wende ich jetzt wieder
an. Das ist schon eine andere Arbeitsweise. Dadurch waren es auch relativ lange,
intensive Drehtage. Es gab auch viele Drehtage, wo die Leute dabei aber dann
nichts zu tun hatten. Das war natürlich wegen der Produktionsweise, bei den
anderen Serien war das so, dass die Szenen von gewissen Hauptfiguren an einem
Tag gedreht wurden. Bei BB waren alle Hauptfiguren bei fast jedem Drehtag dabei.
Das ist eine ganz andere zeitliche Beanspruchung, was auch dazu geführt hat,
dass gar nicht mehr als drei Folgen im Monat gedreht werden konnten. Zum
Vergleich: Bei MK habe ich sechs Folgen im gleichen Zeitraum gedreht.
[...]
Wie werden deine Serien eigentlich vertrieben? Wie
finanzierst du eigentlich die Produktion deiner Serien?
Finanziert werden sie von mir. Quasi eine Vorfinanzierung. Wobei, bei dieser
Finanzierung halt nur gerechnet werden kann, das Material. Das heißt ich zahle
die Videokassetten und so alles was man dazu braucht, die Kopien vom Drehbuch,
die gesamten Materialkosten, die trage ich. Das sind einmal die
Produktionskosten mit denen ich rechne. Ich selber arbeite de facto umsonst, die
Mitwirkenden arbeiten auch umsonst. Die Drehorte, alles, kriegen wir auch
umsonst. Also, es sind ja meistens Wohnungen von den Mitwirkenden. Manchmal sind
es ja Außenaufnahmen oder Aufnahmen von irgendwelchen öffentlichen Räumen,
aber zu 90 % sind es ja wirklich Wohnungen. Das sind ja auch meistens wirklich
Wohnungen von den Leuten die da mitspielen, die dann quasi in der eigenen
Wohnung drehen. Die Kosten die eben anfallen sind eben Material, die werden von
mir vorfinanziert. Anschließend, wenn die Serie fertig ist versuche ich
irgendwie Werbung dafür zu machen, indem ich an irgendwelche Zeitungen Demobänder
schicke und hoffe, dass die Artikel drüber schreiben usw. Seit neuestem mache
ich im Internet Werbung dafür mache und dann hoffe, dass eben Leute das
interessant finden und sich das dann auf Video bestellen. Und dadurch habe ich
dann so geringe Einnahmen. Also, ich habe es bislang bei all meinen Serien
geschafft... toi, toi, toi... dass ich zumindest diese Produktionskosten wieder
drin hatte und auch einen Gewinn hatte. Es gab Serien bei denen ich relativ viel
Gewinn gemacht hatte, wie MG. Das lag aber dann daran, dass es dann wirklich
zwei, drei gute Presseartikel gab. Also, das ist wirklich das A und O, und dass
ich bei MG auch ein wirklich sehr durchschlagendes Photo hatte. Ich hatte also
zwei Photos: ein Gruppenphoto von den 12, 13 männlichen Hauptdarstellern, wo
sie alle so schön, wie auf einem Familienphoto stehen. Das zweite Photo, wo sie
auch so stehen, aber nichts mehr anhaben. Sie waren halt so postiert, dass man
die Männlichkeit nicht gesehen hat, das war alles schön verdeckt. Aber das hat
es dann interessant gemacht, so dass dann viele Zeitungen beide Photos so als
Kontrast nebeneinander abgedruckt haben. Das hat ein ganz großes Feedback auch
gebracht und dadurch haben sich die MG auch ganz gut verkauft. Diese Photos
wurden dann auch in der "Männer aktuell" und in der "Adam"
abgedruckt, das hat ganz viele Leute angesprochen. Also, das ist auch immer so
ein A und O, was für eine Kampagne da drum gemacht wird.
[...]
Du bezeichnest deine Serien als schwul-lesbische Fernsehserien. Wie definierst
du eine schwul-lesbische Fernsehserie?
Erst mal ist es eine Fernsehserie, wie viele andere auch. Aber ich glaube, dass
der Anteil an schwulen und lesbischen Themen einfach größer ist. Was auch ganz
klar ist, weil frag mal einen Schwulen nach dessen Bekanntenkreis. Jetzt nicht
irgendwie einsame Werft auf dem flachen Land, sondern in einer mittleren oder größeren
Stadt. Frag einen Schwulen oder eine Lesbe nach dem Bekanntenkreis. Der
Bekanntenkreis wird zu einem Großteil auch schwul und lesbisch sein, das ist
einfach so. Nicht alle, aber einfach ein Großteil, weil man kennt sich. Und
diese Lebenswirklichkeit wird in anderen Fernsehserien einfach nicht
dargestellt. Da gibt es dann zwar ein schwules Paar, aber außer diesem schwulen
Paar gibt es keine anderen schwulen Figuren. Höchstens mal irgendwelche
Statisten, die dann einmal da sind. Aber es wird keine schwule
Lebenswirklichkeit dargestellt. Diese Wirklichkeit ist ja nicht so, dass die als
glückliche Zweierbeziehung aufeinander beschränkt sind. Das ist der
wesentliche Unterschied, dass ich so viele unterschiedliche schwule und
lesbische Charaktere habe, dass es ein Stück mehr der Lebensrealität von
Schwulen und Lesben näher kommt, als wirklich in anderen Serien, wo du nur ein
Vorzeigepärchen hast. Oder sogar manchmal nur eine Figur und die andere ist
dann manchmal sogar wieder zwischendurch heterosexuell und wird dann wieder
gebrochen oder sonst was. Und das ist der wesentliche Unterschied, warum meine
Sachen wirklich schwul-lesbische Fernsehserien sind, weil sie die
Lebenswirklichkeit darstellen, die sonst vielleicht in irgendeinem netten
Spielfilm dargestellt werden. Aber in Serie für ein Massenpublikum, in dem
Sinne, noch nicht gibt. Und ich denke die Zeit ist einfach auch reif dafür. Die
deutschen Kabelsender trauen sich noch nicht, aber eigentlich ist die Zeit reif
dafür, wie man in England mit Queer as Folk gesehen hat. Gerade weil es auch
viele Proteste gab und gerade weil auch viele sagten: "Scheiß schwule
Serie" und so, gerade deswegen hat es ja auch so einen Erfolg gehabt, sonst
hätten sie ja nicht noch einen Vierteiler, ruck-zuck, drangehangen.
Was denkst du von QAF, wie siehst du die Serie?
Ich habe nur die ersten vier Folgen gesehen. Prinzipiell finde ich gut, dass es
das gibt aber wenn ich es mit meinen Serien vergleiche haben die nichts anderes
gemacht. Klar sie hatten bessere Qualität, die hatten mehr Geld, die konnten
schnelle tolle Effekte machen und Szenen in der Disko und mit vielen Statisten
und alles Mögliche. Aber so von der Thematik her, so unterschiedliche schwule
Charaktere, die sie aufeinanderprallen lassen. Dazu noch so ein paar Reizthemen,
so wie der eine der noch minderjährig sein soll. Man sieht ihm das zwar an,
dass er fast 20 ist, aber er soll halt minderjährig sein in der Handlung. Hier
und da eine nette Erotikszene in der Handlung drin. Das war alles schön
gemacht, aber es war im Endeffekt das was ich seit zehn Jahren mache. Ich fand
die Serie nett, aber sie hat mich nicht so vom Hocker gerissen. Es war für mich
nicht so was umwerfend neues. Klar für alle anderen schon, weil gab es im
Profifernsehen noch nicht. Ich kann es natürlich nicht sagen, aber ein Jahr
bevor QAF gedreht wurde kam ein englisches Fernsehteam zu mir, auch eben von
Channel 4 und hat eben über meine Serie MG einen kleinen Bericht gemacht. Ein
paar Ausschnitte gemacht, ein paar Interviews. Einen locker, flockigen, witzigen
Bericht. Der lief in einem sehr populären Magazin auf Channel 4, dem Eurotrash.
Vielleicht ist da irgendwer bei Channel 4 auf die Idee gekommen, Hoppla das könnte
man ja mal machen. Also, ich könnte es mir vorstellen, da es da einen
Zusammenhang gibt. Ich könnte es nicht beweisen, aber sicherlich hat sich da
jemand die Anregung geholt und hat gehört das könnte eine Marktlücke sein.
Richtest du dich an ein spezifisches Publikum mit deinen Serien?
Ich richte mich natürlich an Schwule und Lesben, ansonsten richte ich mich an
den Serienfan. An Leute, die sich für Serien interessieren und auch an Leute,
die mal eine andere Serie sehen wollen, als die übliche Serie. Auch an Leute,
die mal Lust haben eine kleine Erotikszene zu sehen. Oder auch mal einen nackten
Mann, wirklich völlig nackt zu sehen. In den üblichen Serien hört es ja bei
den Männern am Bauchnabel und bei den Frauen über der Brust auf. Oder sie
steigen nach dem geilen Sex in der Unterwäsche aus dem Bett, also das muss auch
sehr schön gewesen sein. Es richtet sich schon an Leute, die damit kein Problem
haben, die Lust haben was anderes zu sehen. Ich kriege auch des Öfteren
Resonanzen von heterosexuellen Zuschauern, sehr oft von Frauen, die sagen
"ja finde ich gut und da sieht man nackte Männer". Oder gerade wenn
ich spezielle Reizthemen hatte, wenn es dann eine angedeutete SM-Beziehung gab,
wo der eine Maso (Masochist) war und dann es eben geil fand sich quälen und
schlagen zu lassen. Dass dieser Darsteller eben auch ganz oft angesprochen wurde
und zwar nicht von irgendwelchen anderen Schwulen in der Szene, sondern wie er
mir erzählt hat von einer total spießig aussehenden Frau auf dem U-Bhf. Mit
Kind. Die hat er Kind weggeschickt und hat gemeint "ja find ich toll, mein
Mann steht da auch darauf, machen sie mal weiter so". Also, es haben Leute
wirklich offensichtlich das Bedürfnis, mindestens einen Teil ihrer Lebensrealität
widergespiegelt zu sehen und nicht nur irgendwie dieses wie in den üblichen
Seifenopern. Was ist denn die typische schwule Karriere in einer Seifenoper: Typ
verliebt sich in einen anderen. Der ist zurzeit noch hetero- oder bisexuell,
wird dann irgendwann schwul. Dann hat er Probleme mit seinem Coming-Out. Dann
haben sie eventuell mal eine zeitlang Angst vor Aids und der eine kriegt es
vielleicht oder vielleicht auch nicht. Und anschließend dürfen sie dann
sterben oder nach Australien verreisen. Das ist die Karriere und dann ist das
schwule Thema abgegessen. Und das hat nicht wirklich so viel mit der schwulen
Lebenswirklichkeit zu tun.
Also war es dir auch ein Bedürfnis das so im Fernsehen zu sehen irgendwo...
Also, es wäre mir früher, als ich so... Ich habe sehr lange für mein
Coming-Out selber gebraucht und um selber mit mir klar zu kommen. Und da haben
mir sagen wir mal Vorbilder oder realistische Darstellungen gefehlt. Damals gab
es wirklich nur Steven aus Denver-Clan. Und das wirklich so eine verkorkste,
absurde Figur, die immer je nachdem wie gerade der Wind in Amerika wehte, dann
wieder hetero wurde oder dann wieder heiraten durfte... Da gab es in dem Sinn
kein Vorbild, das fehlte. Ich denke auch das mir das schneller gezeigt hätte:
Ich bin nicht der einzige Schwule auf dieser Welt. Womit man sich dann als
Jugendlicher eigentlich auch rumplagt. Keine Ansprechpartner, gar nichts. Dann
ist man praktisch gezwungen mit sich selber zu Recht zukommen, in einer Stadt
mit 50000 Einwohnern, das ging noch. Schlimmer geht’s denen, die aus einem
Dorf mit 300 kommen. Aber letztlich gab es da keine schwule Kneipe. Es gab eine
Kneipe, wo man eben hinter vorgehaltener Hand munkelte, dass der Besitzer schwul
ist. Aber ansonsten gab es da keinen schwulen Treffpunkt, nichts und das gibt es
bis heute nicht. Man muss dann immer 20 km in die nächste größere Stadt
fahren, um dann ein oder zwei schwule Läden zu haben und das sind dann auch die
absolut doofen Spießerläden. Da bin ich auch ganz froh, weil da im offenen
Kanal Wolfenbüttel und Braunschweig laufen meine Sendungen jetzt. Also, wenn da
jetzt Leute sind, die in der Situation sind, in der ich vor 20 Jahren war. Die
haben zumindest, wenn sie den offenen Kanal sehen können und wissen, dass das läuft,
einen ganz anderen Umgang mit. Wenn das schon im Fernsehen kommt, dann ist es
einfach ein Stück Normalität. Da hat sich natürlich zugegeben in den letzten
Jahren sehr viel geändert, weil es die Fernsehsender, so als schmückendes
Modethema auch entdeckt haben. Das hat natürlich ein bisschen zur Normalität
beigetragen. Aber es ist halt immer noch Beiwerk, es ist Schmuck und so ein
bisschen Kitzel. So tun wir mal was für die Randgruppen, aber es ist noch keine
Motivation dahinter. Eigentlich müsste das von den öffentlich Rechtlichen
kommen. Bei den Privaten erwarte ich das noch nicht einmal, weil da weiß man
ganz genau, dass die nur auf Quote machen. Aber bei den öffentlich Rechtlichen
erwarte ich das eigentlich. Da müsste es eigentlich kommen, weil die sind ja in
dem Sinne als Minderheitenprogramme konzipiert worden und die erfüllen ja ihren
Auftrag heute gar nicht mehr. Die sind ja nix anderes als Konkurrenz für ARD
und ZDF. Die haben tagsüber ein bisschen Schulfernsehen um da irgendwie einen
Pseudoauftrag zu erfüllen aber letztlich abends haben sie genauso ein
Vollprogramm mit irgendwelchen komischen zigmal gezeigten Spielfilmen und
schlechten Serien, wie ARD und ZDF auch. Die Bedeutung des dritten Programms als
Minderheitensender, als Lokalsender ist nicht mehr gegeben. (...)